Beziehungsmythen

09. Seelenverwandt

Mythos 9: Endlich den Seelenverwandten gefunden

Wie oft haben wir diesen Satz schon gehört: „Ich habe meinen Seeleverwandten gefunden.“?

Zu oft.

In der Paarberatung ist der Satz zu hören, wenn ein Partner „einen Neuen“ hat. Sprich: eine Affäre, mit der alles viel besser und schöner ist, und die Gespräche viel mehr Tiefgang haben. Dazu gibt es noch Flugzeuge im Bauch und totale Harmonie.

Das ist sehr schön.

Ein beliebter Begriff

Tatsächlich gibt es so etwas – Menschen, die perfekt zueinander passen. Wir wissen allerdings nicht, ob es Seelenverwandtschaft der richtige Begriff dafür ist, aber er wird gerne verwendet, wenn alles passt.

Vor allem wenn alles passt im Vergleich zur (noch) bestehenden Partnerschaft, in der nach vielen Jahren gar nichts mehr zu passen scheint.

Drehbuch gibt Handlung vor

In den Paarberatungen fällt uns dabei folgendes Muster auf, beinahe schon ein Drehbuch, das die Handlung vorgibt.

Und die geht so:

Bernd und Anita sind seit 20 Jahren verheiratet. Sie waren mal sehr glücklich miteinander. Langsam und unbemerkt haben sich allerdings ungebetene Mitbewohner in die Beziehung gedrängt: Routine, Arbeit, Pflichten, Haushalt, Erziehung – der Alltag eben.

Zur Selbstverständlichkeit geworden

Seit die Kinder da sind, läuft die Beziehung mehr so nebenher. Sie ist zur Selbstverständlichkeit geworden. Die Partnerin auch. Der Partner auch.

In der traditionellen Rollenverteilung hat der Mann dabei einen entscheidenden Vorteil: Er holt sich seine Anerkennung draußen. Im Job, im Verein, im Gemeinderat oder ähnlichem.

Die Anerkennung bleibt aus

Die Frau hat vielleicht auch einen Job, kümmert sich aber zudem um Haus und Kinder. Dafür bekommt sie zunächst immer weniger, dann gar keine Anerkennung.

Sie geht leer aus.

Bis es nicht mehr geht

Darüber sollte sie mit ihrem Mann sprechen. Aber wenn sie es tut, hört der gar nicht zu und spricht stattdessen drüber, dass er den ganzen Tag arbeiten muss, und sich jetzt auch noch so etwas anhören will.

Also schweigt sie.

Bis sie es nicht mehr aushält. Sie schlägt vor, eine Paartherapie zu machen.

Der Partner wehrt ab

Er wehrt ab: „Ich brauche das nicht. Wenn Du ein Problem hast, dann hol du dir Hilfe.“

Dann vergehen noch ein paar Jahre, bis die Frau den Vorschlag ihres Mannes in die Tat umsetzt.

Sie holt sich, was ihr fehlt.

Das Kribbeln im Bauch

Anerkennung, Wertschätzung, sich wieder mal begehrt und als Frau fühlen, Gespräche mit Tiefgang, Kribbeln im Bauch, Lebendigkeit, manchmal sogar guten Sex.

Sie findet ihren „Seelenverwandten“. Das fühlt sich tatsächlich so an. Endlich hat sie den Menschen gefunden, der ihr gibt, was sie braucht.

Sie holt sich, was se braucht

Die Wahrheit ist aber oft sehr unromantisch. Es ist nicht allzu schwer, herauszufinden, was eine von ihrer Beziehung enttäuschte Ehefrau braucht: Wertschätzung, Zuhören, als Frau „verstanden“ und im Idealfall verehrt zu werden.

Wir bestreiten nicht, dass es so etwas tatsächlich gibt.

Eine verwandte Seele - echt jetzt?

Nur stellen wir leider oft fest, dass sich der vermeintliche Seelenverwandte letztlich als der beste Freund des Ehemanns entpuppt, der zudem mit gerade mit seiner neuen Affäre seine langjährige Ehefrau betrügt.

Will man (oder frau) so jemanden in seiner Seelenverwandtschaft haben?

Eben.

Kurzlebiger Zauber

Wir erleben oft, dass der Zauber der Seelenverwandtschaft sehr kurzlebig ist. Und nicht wenige Menschen bemerken danach, dass sie ihren Seelenverwandten längst gefunden und um ein Haar verloren haben:

Der Partner, für den sie sich einst entschieden haben, weil er zu ihnen passt. Mit allen Kanten, Macken und Unterschiedlichkeiten. Menschen ergänzen sich nicht dadurch, dass sie gleich sind, sondern dadurch, dass sie sich in ihrer Unterschiedlichkeit vervollkommnen.

Möglicherweise ist genau das Seelenverwandtschaft.

Wie Beziehung tatsächlich funktioniert, erfährst Du hier.