Beziehungsmythen

07. Fremdgehen

Mythos 7: Auf Betrug kann nur Trennung folgen

Fremdgehen ist einer der Hauptgründe, weshalb Paare zu uns in die Paarberatung kommen.

Es gibt viele Paare, die diesen Schritt nicht gehen. Fremdgehen ist für viele Menschen ein Thema jenseits der roten Linie. Das stellen manche von ihnen schon klar, ehe irgendjemand ernsthaft über außerehelichen Sex nachdenkt: „Wenn du das tust, war es das mit uns.“ Ende der Ansage.

Der Vertrauensbruch schlechthin

Die Gründe dafür sind vielfältig, einer allerdings begegnet uns in der Arbeit mit Paaren immer wieder: Fremdgehen wird als Vertrauensbruch empfunden.

Das ist es in aller Regel auch. Zum einen weil der fremdgehende Partner mit einem anderen Menschen intim wird, zum anderen, weil es üblicherweise hinter dem Rücken des Partners geschieht.

Die kleine Schwester der Lüge

Heimlichtuerei ist die kleine Schwester der Lüge. Wenn wir etwas heimlich tun, erwecken wir den Eindruck, es sei nicht geschehen. Wir behaupten das nicht, aber wir lassen unseren Partner in dem Glauben, alles sei wie gewohnt. Das ist nicht gelogen, aber nahe dran.

Heimlichtuerei verletzt Vertrauen. Wenn Beschönigungen, Ausflüchte und Leugnen dazu kommen, kann es sein, dass sie das Vertrauen zerstören.

Schmerz, den keiner will

Der betrogene Partner empfindet Schmerz. Er ist verletzt. Niemand will diesen Schmerz. Und niemand will diesen Zustand bodenloser Ungewissheit, wenn das Vertrauen in den Partner verletzt oder gar zerstört ist.

Deshalb ziehen viele Menschen die rote Linie und sagen: „Wenn du mich bettrügst, ist unsere Beziehung zu Ende.“

Das ist sehr schade, denn sie verpassen so möglicherweise eine Chance.

Folge statt Ursache

Nach unserer Erfahrung sind Seitensprünge und Affären so gut wie nie die Ursache einer Krise, sondern vielmehr eine Folge.

In aller Regel gab es schon lange vor dem Fremdgehen Konflikte und Unzufriedenheit in der Partnerschaft. Und meist wurde schon seit Jahren nicht oder nicht mehr gesprochen. Nähe ging verloren, man lebte irgendwie nebeneinander her und funktionierte. Das macht niemanden glücklich.

Anfällig für Abenteuer

Menschen, die glücklich in einer erfüllten Beziehung leben sind deutlich weniger anfällig für außereheliche Abenteuer.

Wir stellen zudem fest, dass Menschen mit starker Persönlichkeit und trainierter emotionaler Intelligenz durchaus in der Lage sind, Seitensprünge und Affären zu verzeihen.

Der Preis, der zu bezahlen ist

Allerdings braucht es dazu auch die Bereitschaft des „untreuen“ Partners, sich dem Schmerz und der Wut seines betrogenen Partners zu stellen. Das ist der Preis, der letztlich für das außereheliche Abenteuer zu bezahlen ist.

Wir erleben in den Paarberatungen immer wieder Paare, die, nachdem sie durch den Schmerz und die Wut gegangen sind, wieder lernen Vertrauen zueinander zu fassen. Einfach, weil sie sich bewusst sind, welchen Wert ihre oft jahrelange Paarbeziehung für sie hat.

Wie dennoch Nähe entsteht

Wenn Trennung die einzige Option wäre, hätten wir bald nichts mehr zu tun. Fakt ist: Paare, die so eine Betrugskrise dazu nutzen, sich gemeinsam ihrer jeweiligen Verantwortung zu stellen und gemeinsam und Hand in Hand durch Schmerz und Wut zu gehen, den der Betrug verursacht, sind sich hinterher oft viel näher als davor.

Also stimmt eher: Fremdgehen kann eine Beziehung retten.

Wie Beziehung tatsächlich funktioniert, erfährst Du hier.